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Die Goethe-Farbbrille Im ersten Teil ging es Goethe zunächst darum, die Naturerscheinung "Farbe" auf ihre Anwendungsmöglichkeiten als Kunstmittel zu untersuchen. Sein eigentliches Problem war die Frage nach der Wirkung der Farbe auf den Menschen, nach der lebendigen Beziehung zwischen dem menschlichen Auge und dem Licht. Goethe unterschied "Physiologische", "Physische" und "Chemische" Farben, untersuchte die Wirkung der Farben auf das "Sinnlich-Sittliche" und ging auf die Beziehung der Farbtheorie zur Philosophie, Mathematik, Naturgeschichte, Tonlehre u. a. ein. Die "Physiologischen Farben" stellte Goethe an die Spitze seines Werkes, weil sie "das Fundament der Lehre ausmachen". Hier hatte er erstmalig versucht, schwer zu fassende Erscheinungen des lebendigen Auges zu sammeln und zu ordnen. Aufschlußreich sind Goethes Versuche mit dem Prisma, die zur Ableitung eines Farbschemas führten, das er für alle Farbenerscheinungen gültig erklärte. Es besteht aus den Elementarfarben Gelb - Orange - Rot (Purpur) - Violett - Blau - Grün. Goethe suchte dem Farbenspektrum Newtons die einfache Erscheinung der Farbenentstehung, als "Urphänomen" bezeichnet, entgegenzusetzen. Er fand es in folgender Wahrnehmung: In Verbindung mit Hell und Dunkel erscheint dem Auge in einem trüben Mittel entweder die Farbe Gelb (vor hellem Hintergrund) oder die Farbe Blau (vor dunklem Hintergrund). In diesem "Urphänomen" offenbarte sich Goethe auch die "Polarität" der Natur, die für ihn ein Grundgesetz, ein "Triebrad" der Natur war. Auf das "Urphänomen" versuchte er alle physischen Farberscheinungen zurückzuführen. Die übrigen Farben des Farbschemas entwickelten sich für Goethe durch "Steigerung" der Urfarben Gelb und Blau, durch Mischung und Vereinigung. "Steigerung" sah er als zweites "Triebrad" der Natur an. |
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