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Computerdenken

Die Debatte um künstliche Intelligenz, Bewußtsein und die Gesetze der Physik

Können Computer denken? Wenn ja -empfinden sie dann auch Lust und Schmerz wie wir Menschen? Wenn nein - was ist mit Tieren? Sind sie nicht gleichsam Maschinen, die durch natürliche Selektion entstanden sind? Aber wieso kann dann ein ganz bestimmtes Selektionsprodukt, der Mensch, sich der Welt und seiner selbst bewußt werden? Derlei Fragen beschäftigen das menschliche Denken von alters her. Doch mit den Computern gewinnt das philosophische Leib-Seele-Problem auf einmal einen technisch-praktischen Aspekt: Wird es schon bald gelingen, Computer mit künstlicher Intelligenz (Kl) auszustatten? Die KI-Forscher bleiben optimistisch; die radikalsten sehen zwischen einem Computer und einem menschlichen Gehirn nur graduelle Unterschiede in Speicherkapazität und Vernetzungsgrad.Widerstand gegen diesen Standpunkt der "starken Kl" hat sich bisher vor allem außerhalb der Naturwissenschaft erhoben. Doch nun kommt Einspruch aus der Forschung selbst. Ein mathematischer Physiker, ausgewiesen durch bahnbrechende Entdeckungen auf disparaten Gebieten - Schwarze Löcher und Kosmologie, Parkettierung und Kristallographie -, zeigt wie das Kind in Andersens Märchen mit dem Finger auf die Exponenten der "starken Kl" und sagt: Sie sind nackt. - Freilich hat Roger Penrose es nicht so einfach wie das Kind im Märchen, uns davon zu überzeugen, daß des Kaisers neue Kleider bloß eingebildet sind.Er breitet vor uns den Kenntnisstand der gegenwärtigen Wissenschaft aus - von Logik und Metamathematik über Relativitätstheorie und Quantenphysik bis zur Hirn- und Kreativitätsforschung -, um eine geradezu atemberaubende These zu erhärten: Die Physik, die unseren Denkprozessen zugrunde liegt, wartet noch immer auf ihre Theorie; und diese physikalische Theorie wird aus der Vereinigung von Quantenmechanik und Gravitationstheorie hervorgehen müssen.Damit radikalisiert Penrose den Newton-schen Gedanken, daß ein fallender Apfel und der Lauf der Gestirne denselben Gesetzen gehorchen: Die Physik der Schwarzen Löcher ist auch die Physik unseres Geistes - eines ist ohne das andere nicht zu verstehen.Mit den über das gesamte Buch verstreuten Einwänden, Anregungen und Hypothesen hat Penrose schon bei Erscheinen der englischen Erstausgabe eine rege und anhaltende Debatte in der Fachwelt ausgelöst.Roger Penrose ist Rouse-Ball-Professor für Mathematik an der Universität Oxford und Mitglied der Royal Society. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählt der Wolf-Preis für Physik, den er im Jahre 1988 zusammen mit Stephen Hawking für gemeinsame Beiträge zur Kosmologie, insbesondere für die Theorie der Schwarzen %Löcher, erhalten hat. Außerdem hat er die nach ihm benannte nichtperiodische Parkettierung der Ebene entdeckt; seither sind in der Natur entsprechend aufgebaute Quasikristalle gefunden worden.Dieter Wandschneider, Diplomphysiker und Professor der Philosophie, hat einen Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.,Michael Springer hat in Wien theoretische Physik studiert und ist Mitglied der Redaktion von Spektrum der Wissenschaft. Er hat mehrere Hörspiele und drei Romane (zuletzt Leonardos Dilemma) veröffentlicht.

 
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